Elektromarkt oder Fachhändler?

Man kennt sie, die großformatigen bunten Prospekte der Elektromärkte. „Fast geschenkt" bekommen die Verbraucher die Waschmaschine, den Kühlschrank oder den Fernseher – dies zumindest wollen die Werbebeilagen suggerieren. Doch wer genauer hinschaut, stellt fest, dass der Fachhändler „um die Ecke" oft preiswerter ist als die große Kette.

Wer erst einmal in einem dieser Verkaufstempel gelandet ist, hat vermeintlich das Preisparadies auf Erden gefunden. Doch Vorsicht! Mag ja sein, dass das eine oder andere Gerät wirklich woanders kaum zu dem angebotenen Preis erhältlich ist und die Käufer sich über ein Schnäppchen freuen können. Problematisch wird es, wenn das Gerät einmal „stottert". Wer schleppt schon gerne seine Waschmaschine aus dem 4. Stock und bringt sie zum Elektromarkt, um sich dann möglicherweise den Satz „Da ist nichts mehr zu machen" anzuhören? Ganz anders beim Fachhändler. „Wir kommen vorbei und schauen uns das Gerät an", lautet hier oftmals die Antwort auf den Hilferuf. Und wenn dann das Gerät mit einem preiswerten Ersatzteil vor Ort repariert werden kann, dürfte auch dem letzten Schnäppchenjäger klar geworden sein, dass Geiz bisweilen recht ungeil sein kann. Schließlich kosten zwei komplette Maschinen – und seien sie noch so preiswert – in der Regel mehr als eine reparierte. Von den Umweltbelastungen mal ganz abgesehen.

Doch zurück zum Verkaufstempel: Wer einmal über die Sonderangebote hinaus das übrige Sortiment betrachtet, dem fallen die großformatigen Schilder wie „Dauertiefstpreis" oder „Niedrigstpreis" etc. auf. Auch hier ist Vorsicht geboten, denn hinter diesen fantasievollen Bezeichnungen verbirgt sich oft nichts anderes als der UVP – die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. Und die unterbietet in der Regel der Fachbetrieb um die Ecke ganz locker. Rechnet man zusätzlich den Service und die Kompetenz der „Kleinen" ein, spart man unter dem Strich nicht selten viel Geld, viel Arbeit und viele Nerven. - Dauertiefstpunkt beim Elektromarkt in vielen Bereichen also?

Wenn man bedenkt, dass es in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch keine Elektrogroßmärkte gab, kommen einem die Worte des englischen Sozialreformers J. Ruskin fast wie Hellseherei vor, als er schrieb: „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, dass Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen." (John Ruskin, 1819 – 1900)